Alles was man hier nun lesen wird, ist meine Meinung. Nicht das sich nacher jemand beschwert.

Das schöne am Internet ist ja, das es so gross ist. Die Scheisse am Internet ist ja, das es so gross ist. Da sieht und liest man Sachen, die man sonst eigentlich nicht sehen und lesen will. Und wahrscheinlich auch nicht würde. Man würde solche Sachen irgendwo zitiert sehen und das reichte einem voll und ganz. Aber ne, World Wide Web, da ist alles nur einen Klick weit entfernt. Da landet man dann schonmal auf Seiten total verblendeter Arschlöcher, die meinen eine Meinung zu haben und zu wissen wie der Hase läuft. Die glauben eine richtige Wahrheit gefunden zu haben. Und das absurde daran ist: Egal was man ihnen sagt, es ist immer und auf jeden Fall eine Bestätigung dafür, das sie recht haben. Wenn man ihnen zustimmt, klaro, dann hat man echt Ahnung. Die Kommentierer schiessen dabei gerne übers Ziel hinaus, rufen auf zur Menschenjagd, wollen unser Land säubern und weitere Kommentare das einem nur kotzschlecht werden kann und sämtliches Essen der letzten 20 Jahre wieder hochkommt. Doch wo andere ihre Kommentare moderieren, wenn sie zu drastisch werden, lässt man hier die Arschlöcher munter weiter fackeln und ihre abartige Gehirnwichse ins Netz kotzen.
Dabei bedienen die Vollproleten, die sich da austoben, einem eigenen Vokabular. Vor allem auf dem Blog, das als zentrale Anlaufstelle paranoider Islamophobiker gesehen werden kann, PI. Alle, die nicht schlau genug sind sämtliche Islamgläubige als potentielle Terroristen abzustempeln, die nichts besseres vor haben als das Christentum hierzulande zu verdrängen, sind “Gutmenschen”, was schon als eigene Superbeleidigung gilt. Jeder Mensch, der Nuancen einer anderen Hautfarbe als Weiss aufweist, ist ein “Dhimmi”. Jede Moschee die gebaut wird, ist eine zuviel und geradezu lächerlich findet es die Fanmeute beim Hetzblog, wenn jemand mit abweichender Hautfarbe einen deutschen Pass besitzt. Das sind für die keine richtigen Deutschen. Wem das zum würgen noch nicht reicht, der kann ja mal versuchen sich in die verquaste Logik der Spacken versuchen hineinzudenken. Dabei ist es immer egal, welchen Artikel man aufruft. Es gibt immer irgendwen, der versucht etwas Grundsätzliches in den Kommentaren zu sagen und seine Position als die Richtige darzustellen. So gibt es in einem Artikel über “linkes Empörertum”, wo es um einen Kommentar in der FAZ geht (zum Fall Krause, soweit ich das richtig begriffen habe), einen Kommentierer, der seinen Sermon mit den Worten “Ja, ich bin Nazi” einleitet und dann relativiert, er sei Nazi in den Augen der RotGrünen GutmenschenWeltverbesserer weil er Grundsätze habe, die von denen nicht anerkannt würden. Er sei gegen Gewalt, für Israel und USA, er sei Demokrat und für die Menschenrechte…blablabla. Links sein und intellektuell ist für ihn ein Widerspruch und er kommt zu dem Fazit: “Links = BÖSE”. Das diese Logik ja nun leider auch nicht den hohen IQ der Rechten bestätigt, lassen wir mal so dahin gestellt. Das nervige ist die schleimige Argumentation. Sich so lange winden und drehen, bis man selber nicht mehr weiss, auf wessen Seite man steht. Das zeichnet diese, eventuellen Menschen aus. Da kann man sich nicht mal mehr für fremdschämen, da will man einfach nur noch an der Menschheit verzweifeln und sich fragen, ob freie Meinungsäusserung gleichzusetzen ist mit freiem Scheissegelaber.
Aber das waren nur die Kommentierer. Die Artikel, die auf der Seite zu lesen sind, bedienen fröhlich jedes Ressentiment, das man als moderner Dünnbrettbohrer so haben kann. Ein Artikel über die Aussage einer palästinensichen Mutter, das ein Selbstmordattentat ihres Kindes das schönste Mutertagsgeschenk sei, das sie sich vorstellen könne, wird natürlich illustriert mit einem Foto einer Frau und einem verkleideten Kind mit Sprengstoffgurt. Links zu dem Zitat oder dem Artikel gibt es natürlich keine, nur zu dem vermeintlich ersten Idioten, der die dämliche Quote veröffentlicht hat. Mit demselben Bild. Man copyd und pasted sich so sein Weltbild schnell zusammen. Das die Macher damit erfolgreich sind, will ich ihnen gar nicht absprechen. Und eigentlich finde ich es auch ganz gut. Da haben die ganzen Spinner ein Sammelbecken, wo sie sich alle schön selbst bemitleiden können und sich gegenseitig auf die Schultern klopfen, wie missverstanden sie und ihr Weltbild doch sind. Das wäre alles in Ordnung. Man selbst, als Mensch mit funktionierendem Gehirn, kann dann da ab und zu mal vorbei und sich die Bagage angucken, wie die Affen im Zoo, sich darüber amüsieren das ausgerechnet DIE irgendwie mit uns verwandt sein sollen und frohgemuts weitergehen. Dann wäre alles in Ordnung.
Ist es aber nicht, denn die zusammengeklaubte Idee und Philosophie hat der Mob von ganz anderen Stellen. Die sind da ja nicht selbst drauf gekommen, die haben Anheizer. Und einer von denen ist Henryk M. Broder. Ein Journalist, der sich aber in den letzten Jahren eher der Polemik und der Kolumne zugewandt hat. Mit Journalismus im klassischen Begriff hat das nicht mehr viel zu tun. Da werden keine Meldungen geprüft oder so was, da wird einfach nur schnell aufgenommen, was gerade in die Argumentation passt. Insofern würde es mich auch nicht wundern, demnächst etwas von Broder über das Sexvideo von Shakira zu lesen. Und wahrscheinlich findet er es toll, denn die arbeitsweise von ihm lautet: Wenn wenigstens zwei dafür sind, dann bin ich dagegen.
Ja, es gibt streitlustige Menschen, es gibt sogar Menschen, die sehr lustig streiten können. Broder ist aber nichts dergleichen. Er ist ein Pfau, der um Aufmerksamkeit hascht, wo er sie nur kriegen kann. Und er kriegt davon mehr als erwünscht: Texte im Tagesspiegel, im Spiegel, auf Spiegel Online etc. pp. In den Redaktionsstuben scheint der Gedanke zu sein: Bringt mal was, was die Leute spaltet. Irgendwas polarisierendes. Irgendwas womit wir wenigstens ein Miniskandälchen zusammen kriegen. Herrgott nochmal, wenigstens irgendetwas, das entfernt an eine Art Meinung erinnert! Und zack, schon ist die Nummer von Broder aus dem Rolloding gefischt und er hat einen Auftrag mehr, den er sich ans Rever heften kann. Dabei geht es in jedem seiner Texte nur ums schnelle Vorurteileaufzählen, alle die nicht seiner Meinung sind rundmachen und zu zeigen, was er für einen wundervoll auf hochglanz polierten Arsch hat. Zwar rhetorisch mal mehr mal weniger versiert, aber ansonsten keine Substanz, keine schlüssige Argumentation, ja, nichtmal Fakten. Dazu passte es ja dann auch wieder das er seinen Preis und seine Laudatio von “Fakten, Fakten, Fakten”-Markwort bekam. Minus und Minus ergibt Plus. Hat da aber leider nicht geklappt. Man lobt Broder für seine Unangepasstheit, Unbequemheit und dafür, das er den Finger in die Wunde legt. Wenn Rassismus und das schüren stumpfester Vorurteile, ohne die Fähigkeit der (Selbst)Reflektion jetzt schon lobenswert ist, dann freue ich mich auf die nächsten Focuskolumnen des NPD-Vorstands.
Um das nochmal klar zu machen: Broder ist ein Arschloch, das sich freut eines zu sein. Er pöbelt und stänkert in der Hoffnung, das einer zurückkackt. Auf seinem Blog veröffentlicht er regelmässig Kommentare oder Mails der Menschen, die ihn kritisieren. Man sieht, das kommt gar nicht bei ihm an, er ist merkbefreit. Jeder Kommentar gegen ihn bestärkt ihn in seinem handeln. Und wird vorgeführt. Seht mal der Depp, der hat was gegen mich, da kann er ja nur ein Depp sein. Und deswegen hauen wir uns jetzt nochmal alle wegen dem auf die Schenkel. Höhöhö. Broders Verdienst ist es, den Stammtisch in die Feuilletons gebracht zu haben. Und eben solchen Leuten, wie den oben erwähnten, eine für sie schlüssig scheinende Argumentationshilfe in die Hand gedrückt zu haben. Wie sehr das an gelebter Realität vorbei geht, ist unwichtig. Gutmenschen, Erbsenzähler, Dhimmis, linkes Pack, Heulsusen, Islamofaschisten (sic!) und Arschlöcher: Haltet doch bitte alle das Maul. Broders Tour mag billig sein, aber sie funktioniert. Und solange sich noch ein halbwegs etabliertes Blatt dazu bereit erklärt diesem ollen Hetzkopp ein Forum zu bieten, wird sich daran auch nichts ändern und die krankhaften Islamophobiker immer weiter Auftrieb bekommen.
Versteht mich nicht falsch, ich will nichts totschweigen. Ich denke auch das Freedom of Speech wichtig ist. In Amerika können ja auch problemlos irgendwelche Fanatiker tagen, ohne das sie ernst genommen würden. Aber die lässt man dann doch bitte keine Artikel für etablierte Medien verfassen. Oder keine Videos in denen sie zeigen wie sie beraubt wurden und dann versuchen eine Gagparade abzufeiern, während sie bei der Polizei anrufen und sich echauffieren, das diese nichts über den Verbleib der gestohlenen Herrenhandtasche sagen kann. Die selbstverständlich in einem südländischen Café geklaut wurde. In Kreuzberg. Und man muss natürlich die Originalüberwachungsaufnahmen zeigen. Und während man all das kommentiert einen Fez auf dem Kopf tragen. Ich denke, Broder hält sich für sehr clever, meint er habe die Chuzpe Dinge auszusprechen, wo andere höflich schweigen. Ich nenne so etwas “ideologische Brandstiftung”.
“Aber dich fragt ja keiner!”, würde Broder jetzt sicher lachend antworten. Und er hat recht. Deswegen verbreite ich ja meine Meinung hier und jetzt ganz ungefragt. Wenigstens das könnte ich von ihm gelernt haben.
Einen weitaus besseren, fundierteren und argumentativ sicher stichhaltigeren Artikel über Broders Proletisierungswut, gibt es in der aktuellen Titanic zu lesen.
Wer mehr über ihn und über das oben beschriebene Hetzblog lesen möchte, sollte sich die brillianten Artikel Niggemeiers dazu durchlesen. Aber vorher die Kommentare abschalten, das hält kein Mensch aus.