Diesmal wird es nicht so lang wie sonst, wenn ich einen Song und seine Cover auseinander nehme (was dann eh wieder keinen interessiert…:)). Tatsächlich kommen in diesem Post nur zwei Videos vor. Ein Altes und ein Neues.
Fangen wir mit dem Alten an:
Wir sehen hier die (französiche!) Band “Magazine 60″ (englischer Name!) bei ihrem Auftritt bei “Formel Eins” (deutsche Show!) mit ihrem (spanischen!) Titel “Don Quichotte”, der es, man glaubt es kaum, sogar bis Platz 56 der (amerikanischen!) Charts geschafft hat und sich eindeutig dem Genre “Italo (!!!) Disco” zuordnen lässt. Ein internationaleres Produkt kann man sich also kaum vorstellen. Es fällt mir aber ehrlich gesagt auch schwer mir ein bizarreres Lied auszudenken. Gut, das liegt sicherlich auch an der Performance in diesem Clip, die so viele wunderbar unfreiwillig komische Momente hat (Die Choreographie? Hallo?) und von denen mit einer unglaublichen Ernsthaftigkeit vorgetragen wird…der Wahnsinn. Schon alleine das die Frau das gesamplete Zeug Lip-Synced ist den ganzen Clip wert. Also erstmal gucken:
Das Eigentlich faszinierende dabei ist ja eben auch: Man kann die Songstruktur nicht so richtig nachvollziehen. Es ist als wenn die im Studio gesessen hätten und so ein bischen was aufnahmen und einer von denen hat dann noch gesagt: “Ey, und hier machen wir jetzt noch so ne Gitarre rein, die null passt! So ne leicht spanisch gespielte!” Und alle so: “Yeah!!!!!”
So entstand also dieses musikalische Kuddelmuddel, das, wie gesagt, sogar in den Staaten immerhin in die Mitte der Top 100 gecharted ist. Respect. Und der Titel ist eigentlich auch ganz gut gewählt, denn “Don Quichotte” ist in der Tat ein äusserst bizarres Buch und dieser Vorgabe wird der Song in jeder Hinsicht gerecht. Zwei Jahre später versuchten sie es mit einem weiteren Song der nach dem (mexikanischen!!!) Volkshelden “Pancho Villa” benannt war, aber es war nicht mehr dasselbe (obwohl nicht minder komisch zusammengewürfelt, siehe Link). Damit hätte sich die Geschichte der vermutlich internationalsten Band ever eigentlich auch zu Ende erzählt. Eigentlich.
Wenn nicht 20 Jahre später ein Typ in seinem Studio gesessen hätte und auf der Suche nach einem Sample für eine weitere Single seines Soloalbums auf “Don Quichotte” gestossen wäre. Der Typ war Will I. Am von den Black Eyed Peas. Und er hat einzig die Gitarre aus dem Break genommen und in seinem Stück verwurstelt. Wie sich das genau anhört, sieht man hier:
Das geilste an der ganzen Sache ist eigentlich das: Das er für dieses kurze Stückchen Musik, die beiden Typen als Komponisten voll mitcrediten musste. Sprich: Die haben 20 Jahre später nochmal richtig abgesahnt, denn ich weiß es zwar nicht genau, aber die Single dürfte sich schon einigermassen ordentlich verkauft haben. Nur mit einer klitzekleinen Idee, einem Fragment aus einem Song. Ich liebe solche Geschichten. Ich hätte mir nur gewünscht, das die in dem Will I. Am Video eine ähnlich versierte Choreo an den Tag gelegt hätten. Aber, Meh, man kann halt nicht alles haben.
Okay, zur Erklärung: Ich höre gerade dieses Lied auf Repeat. Bin im Moment geschätzt beim 10. Durchgang. Vielleicht solltet ihr das jetzt auch anmachen und hören, damit ihr in die Stimmung kommt, die ich beim schreiben hatte, während ihr das lest.
Ich bin alles andere als ein einsamer Mensch. Und darüber sehr glücklich. Ich bin in einer sehr komfortablen Position. Ich habe eine grossartige Familie, fantastische Freunde und lerne immer wieder neue, tolle, coole, nette, spezielle und spannende Menschen kennen. Man kann also mit Fug und Recht behaupten das “Einsamkeit” mein geringstes Problem ist.
Nochmal von vorne: Ich bin glücklich. Aber nicht weil ich Single bin, sondern trotzdem.
Totaler Quatsch, so fängt man keinen Text an. Jetzt aber: Mein Herz schlägt sich durch die Nacht. Meine Gedanken hängen irgendwo rum. Meine Stimmung schlägt nicht plötzlich um. Hat sich aber geändert. Heimich still und leise.
Nein, nein, nein. Das gefällt mir alles nicht. Ich bin ganzen Herzens fröhlichtraurigglücklichsehnsüchtig. Ich bin ganzen Herzens. Das ist es.
Und noch eine Runde: So tonight, i´m gonna find a way to make it, without you…
Hinweis: Das sieht jetzt so aus als wenn ich die Idee bei Spreeblick geklaut hätte. In Wirklichkeit habe ich dieses Tab aber schon seit 4 Tagen offen im Browser und noch nicht fertig gemacht. Sind wieder die anderen schneller. Aber seht es doch mal so: Jetzt habt ihr schon zwei verschiedene Listen mit tollen Tweets vom letzten Jahr. Ist das nichts?
Eine unprätentiöse Überschrift für einen Artikel, der doch so viel kapriziöses hat: So muss das sein. Keine lange Einleitung: 2009 war das Jahr in dem Twitter und ich endgültig in Love fielen, nachdem wir einen etwas mauen und anstrengenden Start hatten. Aber so ging es mir mit Facebook ja auch. Und es passiert immerwieder das ich mal meine Favoriten auf Twitter durchlese (das sind die tweets von andern, die ich als “gut” mit einem Sternchen markiere) und mich köstlich amüsiere. Deswegen jetzt und hier und als fröhlicher Jahresabschluss meine Best-Of-Liste anderer Leute tweets, die mich fröhlich machen/gemacht haben. Auf gehts.
Platz 10
Der Thombl bringt da ganz gut auf den Punkt, was eigentlich jeder bei Twitter jeden Tag erwartet. Deswegen zu Recht in dieser Liste vertreten und natürlich auch ein super Opener:
Platz 9
Deef Pirmasens ist einer meiner Lieblingsfollower und Twitterer. Der hat eine gute Mischung aus trockenen Alltagsbeschreibungen und manchmal, ganz manchmal, da entfleucht ihm such a masterpiece wie dieses:
Platz 8
Der Euphoriefetzen ist unbedingt lesenswert. Und zum Beweis habe ich einen grossartigen Tweet von ihm, der vor allem Freunden asiatischen Essens erst ein lautes “Aha!” und dann ein komisches Gesicht und dann ein Schmunzeln (mindestens!) entlocken wird. Übrigens: Euphoriefetzen twittert auch noch über viele andere tolle Dinge. Wie jeder in dieser Liste unbedingt Folgewert. Oder wie auch immer man das bei Twitterern nennt.
Platz 7
Ich habe sehr rudimentäre Ahnung von Fussball, die meisten Namen sind mir aber geläufig. Was für ein Spass aber wäre das, wenn dem nicht so wäre? Findet auch reeft:
Platz 6
Ein Sascha Lobo-Tweet gehört in diese Liste. Beherrscht er das Medium doch wie kein Zweiter. Und sondert meistens ganz wuderbare Tweets ab. Hier ist nun einer, zu dem man vielleicht die kleine Vorgeschichte erklären muss: Robert Basic, seines Zeichens Superblogger, hat vor nem Jahr oder so seinen Blog verkauft. Ich glaube der hat damals ne gute Stange Geld dafür gekriegt. So 50.000 Euro, wenn ich mich nicht irre. Hab gerade keine Lust nachzugucken. Zuletzt hat er wieder für Buzz um seine Person gesorgt, weil er nun seinen Twitter-Account zum Verkauf anbot. Und das man auch noch Sponsor bei seinem neuen Projekt “Buzzriders” werden könnte. Und hat eine Beispielrechnung gemacht, in der er für seinen Twitteraccount 50.000 Euro bekam. Bei, ich glaube, 4000 Followern. Nicht wirklich umwerfende Zahlen. Das ganze war ein bischen peinlich und hat für Aufmerksamkeit gesorgt (später behauptete Basic das er das ja hauptsächlich des Buzz wegen gemacht hätte und er noch kein passendes Angebot für seinen Account bekommen hätte - ja ne, is klar…). Und eben zu folgendem unfassbar lustigem Tweet von Sascha geführt, über den ich wirklich jedes Mal lachen muss, wenn ich ihn sehe:
Platz 5
2009 - Das Jahr in dem “Schmidt und Pocher” endlich wieder aufhörte. Hipcheck hat das ganze noch etwas origineller formuliert und getweetet:
Platz 4
Ich lese gerne Sibylle Berg. Wirklich. Ich mochte “Gold”. Frau Berg twittert auch. Manchmal sehr schräg, manchmal sehr Schwanz, aber manchmal auch einfach nur sehr lustig. Ich habe Milch über die Tastatur gespuckt, als ich ihren Tweet las, der sich auf Frank Schirrmachers Buch “Payback” oder, wie es hinter vorgehaltener Hand heisst: “Ein alter Sack kommt nicht mehr klar”, bezog:
Platz 3
Johnny bloggt als Spreeblick (Nein, dieser Tweet war auch schon VOR dem Spreeblickartikel in dieser Auswahl und auch auf diesem Platz…;)). Und in diesem Sommer ging es auf Twitter wirklich heiss her, vor allem in Anbetracht der Bundestagswahlen, im September. Natürlich war die Piratenpartei dabei am meisten (selbstgemachtes) Thema. Aber es ging auch um grundsätzliche Fragen. Ich glaube irgendwann war bei jedem der Punkt erreicht, wo man den Scheiss nicht mehr lesen wollte. Das kann man aber auch eleganter ausdrücken, wie der Grand Seigneur der deutschen Bloggosphäre hier beweist (und mich vermutlich wegen dem eben verliehenen Titel töten wird) und bei dem ich mir immer vorstelle, das er ihn drehend auf seinem Bürostuhl mit piepsiger Stimme laut ruft, was das Ganze noch lustiger macht:
Platz 2
Es war ein harter Kampf zwischen die beiden letzten Plätze. Klar war, das mein GTT-Partner Herm nicht fehlen darf. Vermutlich DER Qualitätstwitterer des Jahres. Jeder Tweet ein Treffer. Aber so viel Perfektion ist natürlich auch unheimlich. Und ich weiss nicht ob er in folgendem Tweet einfach nur einen Blick auf seine eigene Wand beschreibt. Ich bleibe da vorsichtig.
Platz 1
Hurra! Der Gewinner des Jahres steht fest! Es ist Bosch! Bosch ist eigentlich ein Twitterer wie du und ich. Mal kommt der absolute Knaller von ihm, mal Belangloses. Was auch immer, der grösste Jazzexperte der Alster, Elbe und meinetwegen auch des Rheins, hat hier mit seinem Tweet voll ins Schwarze getroffen. Ich meine, das ist auf so vielen Ebenen lustig, das musste einfach Platz 1 werden. Ich verrate nicht zu viel, seht selbst:
Ein sehr gutes Twitterjahr, wird man später einmal sagen. Ich bin gespannt was dieses Jahr passiert.
Die grosse Frage die einen beschäftigt ist ja: Kann man Gefühle verlernen?
Ich befinde mich im Moment in der äusserst glücklichen Situation, wieder ein Gefühl zu spüren, das schon lange nicht mehr bei mir zu Besuch war. Insofern ist eigentlich alles gut und da das ganze noch mit meine geheimen Superfähigkeit gepaart ist (sie nannten ihn ehrfurchtsvoll “The Verdränger”…), kann eigentlich nichts mehr schief gehen.
Nun bezweifel ich nicht das Gefühl an sich. Es ist absolut aufrichtig und aufregend. Aber ich habe ein wenig Sorge davor, das so loszulassen, wie ich es eigentlich sollte und früher auch immer gemacht habe, weil ich befürchte, das es mir ein Schnippchen schlägt. Ich weiss nicht ob das sonderlich einleuchtet. Ich will auch gar nicht sagen, das ich Angst hätte, das Gefühl überzuinterpretieren oder zu befürchten es sei nicht echt. Ich habe keinen Grund an der Echtheit meiner eigenen Gefühle zu zweifeln, sind ja schliesslich meine und die sollte ich persönlich ja eigentlich am besten fühlen. Vielleicht ist es auch nur die Angst aus der Komfortzone des Selbstmitleids heraus zu kommen, die man als Solist nunmal bewohnt und in der man es sich, mit etwas Geschick, auch wunderbar einrichten kann.
Ich stürze mich in dieses Gefühl, wie ich es schon immer getan habe und wofür ich von meinen Freunden auch schon immer gerüffelt wurde. Aber welchen Sinn sollte ausgerechnet dieses machen, wenn man sich nicht komplett reinwürfe? Und doch ist irgendetwas anders als sonst, ich finde nur nicht heraus was es ist. Und das ist es wohl, was mich so ein bischen beunruhigt. Oder ist das einfach nur, weil ich älter geworden bin? Wohl kaum, oder? Bitte sag das das nicht wahr ist. Das wäre ja einfach zu bescheuert. Nein, nein, das kann es nicht sein.
Deswegen steht man dann da, alleine in dem grossen Raum und stellt sich die Frage:
Kann man Gefühle verlernen?
Wenn sie einfach so lange nicht mehr beansprucht wurden, so lange, das man schon gar nicht mehr sicher war, sie in sich zu haben. Dann kann es doch sein, das man sie verlernt, oder? Oder das sie in der Zwischenzeit eine neue Sprache gelernt haben? Oder, noch schlimmer, man selbst hat eine neue Sprache gelernt und erkennt die Alte nicht mehr wieder? Und als wäre das nicht genug, wird es ja sogar noch schlimmer, auch wenn man das jetzt nicht mehr für möglich gehalten hätte. Denn die Frage, die sich jetzt stellt, die alle andern übertönt, lautet ja:
Alter, kann es sein das du dir zu viele Gedanken machst?
Am Donnerstag endet die aktuelle Popstars-Staffel mit ihrem grossen Finale, in dem entschieden wird, welches Paar aus den Workshops die neue Band “Ich und Du” (oder umgekehrt) formieren wird. Wie eigentlich immer gibt es eine wirklich talentierte Kandidatin und andere, die so lange gezeigt wurden, bis die Zuschauer und die jeweiligen Leute auch selber glaubten, das sie talentiert sind. Diese Popstars-Staffel wird vermutlich meine letzte gewesen sein, die ich aufmerksam verfolgt habe. Naja. Zumindest am Anfang. Ich konnte mir das irgendwann nicht mehr mit ansehen.
Popstars war ja, wenn ich das jetzt gerade richtig überblicke, eigentlich die erste Castingshow, im deutschen Fernsehen. Aus der ersten Staffel sind damals die No Angels entstanden. Dabei hat die Show immer ihre Höhen und Tiefen gehabt, es gab immer Staffeln die mal packender, mal gähnend Langweilig waren. Und es wurde viel ausprobiert. Ich erinner mich noch an die Staffel, wo die Girlgroup gegen die Boygroup antreten musste (Preluders vs. Overground) und irgendwie nie so richtig klar war, um was es hier eigentlich gerade geht. Oder die Monrose-Staffel, die mal eben während sie lief, verlängert wurde und für die Zuschauer unerträglich lang wurde. Und natürlich die Nu pagadi-Staffel, wo es sehr früh NUR noch um den einen Song ging (Seetest Poison), den man dann am Ende der Staffel n a t ü r l i c h auswendig mitsingen konnte. Popstars ist auch immer knapp an die Grenze des Erträglichen gegangen, was meine Empfindlichkeit betrifft, mich als Zuschauer verarscht zu fühlen. Wie gesagt, der offensichtlichste Faktor dafür, das ich als Zuschauer immer nur eine Melkkuh war, war in der Monrose-Staffel. Nun gab es gestern einen noch grösseren Skandal. Gestern war das Halbfinale von Popstars und es ging darum welche zwei von drei Paaren ins Finale zuehen sollen. Und die ganze Show über wurde angeheizt: Rufen sie an, gleich fällt die Entscheidung…blablabla. Nun weiss ich nicht, wie lange das geplant war, was dann kam, denn ehrlich gesagt schien mir das, was das ungelenke moderieren des Sachverhalts betraf, eher eine spontane Entscheidung aus der Regie gewesen zu sein. Aber egal ob spontan oder geplant: Es wurde einfach entschieden, den Zuschauer noch ein bischen mehr abzuzocken, denn es fand eben KEINE Entscheidung statt. Es wurde gesagt, das man noch bis Donnerstag weitervoten kann. Die Leute in der Halle haben gebuht ohne Ende und die Regie, so wie die Moderatoren, waren darauf bedacht, die Show möglichst schnell zu beenden. Mit lauter Musik, damit man das Publikum nicht mehr hört. Mit so einer heftigen und berechtigten Reaktion, haben die wohl nicht gerechnet. Genau nachlesen kann man das in diesem sehr guten Artikel von Peer Schader, drüben im Faz-Fernsehblog.
Um diesen Eklat soll es mir aber gar nicht hauptsächlich gehen. Der ist nur die Kirsche auf dem Sahnehäubchen der Verachtung, welches auf dem Eisbecher der Inhaltslosigkeit thront. Ich halte die Popstars-Redaktion für ziemlich arrogant. Das ist in manchen Staffeln deutlicher, in manchen weniger deutlich. Ich schätze mal, das liegt auch immer an der aktuellen Redaktionsbesetzung. In der aktuellen Staffel aber war es wirklich nicht mehr auszuhalten:
1.) Die Jury-Besetzung
Ich finde das Michelle Leonhardt eine ganz gute Wahl war. Ich mag es, wenn Leute aus dem Biz in der Jury sind, die vielleicht noch nicht so hammerbekannt sind, für den Zuschauer, deren Kompetenz sich aber schnell von selbst erklärt. MIchelle hat zum Beispiel schon eine Menge Songs für diverse Acts wie die No Angels o.ä. geschrieben, somit ist sie ja eigentlich perfekt für die Jury. Dann kam Alex Christensen dazu, der wirklich sehr nett ist, aber, sorry, in der Jury wirklich gar nichts zu suchen hat. Denn der hat mal so gar keine Ahnung, bzw. muss wahrscheinlich hauptsächlich die Entscheidungen der Redaktion oder des Senders ausbaden, die ja bekanntermassen noch weniger Ahnung von der Materie haben. Das wird jetzt keine grosse Überraschung sein, aber wie das genau abläuft in der Popstars-Jury hat Sido im grossartigen Vice-Interview mal ganz anschaulich erklärt:
Das ging schon in den Castings los. Es ist schon so, dass jedes Jury-Mitglied eine Stimme hat. Dann hat aber Pro7 noch zwei Stimmen und die Produktionsfirma hat zwei Stimmen. Damit ist die Jury schon mal überstimmt. Vier zu drei. Dann hatten die da so eine Ampel im Rücken der Kandidaten, die da auf dem Stern standen. Und die zeigte entweder rot oder grün. Rot war für ‚Den auf keinen Fall’ und grün war für ‚nehmt den, nehmt den!’ Und dann kommt da zum Beispiel irgendein Typ, der nicht singen kann, aber die Ampel war auf grün und wir mussten uns dann irgendeinen Scheiß einfallen lassen. Ich hab immer (macht ein Furzgeräusch) gemacht, damit dann wenigstens ein Witz dabei rumkommt, aber die haben die Leute halt immer weiter gelassen und am Ende findest du dann raus, die haben die Leute weiter gelassen, weil der Vater Krebs hat oder so was. Die kommen dann da hin und fragen, was ist in deinem Leben so los und pipapo und dann kommt raus, dass der Vater Krebs hat und dann ist klar, der Typ kommt weiter. Dann heißt es so: mit dem Typen haben wir noch für zwei Folgen eine Geschichte. Danach können wir ihn ja dann rausschmeißen. Ich will auch mal klarstellen, die Leute bei Popstars haben auch nicht Sido den Musikfachmann gebraucht, sondern Sido, der ab und zu mal ein paar Leute beleidigen kann. Das wollten die von mir sehen.
So genau funktioniert das Prinzip, deswegen werden von der Jury auch schonmal gerne totale Nulpen ins Finale durchgewunken. Weil die Redaktion oder der Sender das aus Marketing-Gesichtspunkten wichtig finden. Weil sie glauben eine Identifikationsfigur gefunden zu haben, für die jungen Menschen, die ihnen suspekt sind, die sie aber als Zuschauer haben müssen. Wenn die Show nicht so unterhaltsam gewesen wäre, könnte einem schlecht werden. Dazu hatte man in dieser Staffel nun aber auch allen Grund. Und das nicht nur wegen dem rumgewichse hiunter den Kulissen, sondern auch wegen dem, was man auf dem Bildschirm sah.
2.) Die Show
Es war dramatisch diesmal, es war sogar noch dramatischer. Es war das vermutlich dramatischste Fernsehereignis, seit es dramatische Fernsehereignisse gibt. Und noch ein bischen dramatischer. Mal im Ernst, das war wirklich eine Heulstaffel. Und noch mehr Emotion rauspressen und noch ein bischen heulen. Dabei hat sich Detlef D! Soost wirklich das erste Mal als total desinteressiertes Wesen gezeigt. Die Kandidaten waren ihm egal, so lange er sie nur zum heulen gebracht hat. Wirklich, seid froh wenn ihr das nicht gesehen habt. Alles was die Jury trainiert hat (allen voran D!), waren Psychospielchen mit den Kandidaten in Las Vegas. Die möglichst schnell und dramatisch dazu führen sollten, das die Kandidaten heulen. Und das war nicht irgendwie rausgeschnitten, oder subtil versteckt oder so. Nö, fröhlich im ON wurde gezeigt, wie schnell man die Nervenbündel zu noch grösseren Nervenbündeln macht. Genüsslich ausgekostet von einem erschlankten Tanz-Instructor Detlef, der mit den Kilos irgendwie anscheinend auch den Spass an der Sache verloren hat. So verbittert, gelangweilt und humorlos kam der nämlich noch nie rüber.
Ansonsten wird die Show langsam aber sicher seziert und ihrer Identität beraubt. Man schneidet sich noch die Filets raus, aber der zuckende Rest wird den Hunden zum Frass vorgeworfen. So wirkt es zumindest, denn noch keine Staffel hat sich so stark an anderen Formaten orientiert, wie diese. Ich war sehr oft nicht mehr sicher, ob ich nicht gerade doch “Germanys Next Topmodel” gucke. Weil die Kandidaten nun immer zu so Werbecastings mussten, und da auch gut aussehen mussten und so: Das war alles Ablenkung, das war aber auch Inhaltsleere und liess eine gewisse Trennschärfe zu den anderen Formaten vermissen. Aber vielleicht ist das von ProSieben ja auch so gewollt. Man soll nachher gar keine Shows mehr unterscheiden können, das soll alles wie ein nicht enden wollender Castingguss wirken. Dann haben sie hier ganze Arbeit geleistet. Das Problem ist nur: Die haben einem Format sein Herz geklaut und ob das lange gut geht, das wage ich zu bezweifeln. Aber müssen sie selber wissen. Vielleicht haben sie auch einfach keinen Bock mehr auf Popstars und wollten das jetzt irgendwie so schmerzhaft wie möglich beenden. Dann müsste ich auch wieder sagen: Chapeau! DAS ist euch gelungen. Ich konnte auf jeden Fall die letzten 2 oder 3 Folgen nicht mehr gucken. Grösstenteils schlecht ausgwewählte Kandidaten in einer unwirtlichen Umgebung werden von abgebrühten Fernsehleuten dem Zuschauer vorgeführt und von einem menschenverachtenden Juror permanent zum heulen gebracht, in einer Show, die ihre Originalität verloren hat und die deswegen andere Formate kopiert. So könnte man es zumindest auf einen Satz bringen.
Ich mochte Popstars immer gerne, lieber als andere Castingshows. Aber was die sich diesmal erlaubt haben, war eindeutig zu viel. Wenn sogar meine 8-jährige Tochter das stinkend langweilig und doof findet, dann kann da irgendwas nicht stimmen. Die ist nämlich mindestens genauso begeisterungsfähig wie ich für Fernsehen, nur noch eine Spur unkritischer. Also eigentlich genau das, was Pro7 da vor der Kiste haben will. Und gerade kategorisch vertreibt.
Ich weiss: Die sitzen jetzt in ihren Büros, vielleicht auch im Meeting Raum in Unterföhring und reiben sich die Hände. Der Pressetyp rennt aufgeregt ins Büro und schreit die ganze Zeit “Any promotion is good promotion! Any promotion is good promotion!” und die Chefredakteure, Geschäfstführer und verantwortlichen Redakteuer lachen sich kaputt. Über die Dummheit des Zuschauers und das sie nun so viele Reaktionen haben. Man siehe zum Beispiel das Statement des Pro7-Unternehmenssprechers Christoph Körfer gestern Abend zu DWDL.de, die mal berechtigterweise gewagt haben nachzufragen, was denn da in der Halbfinal-Show schief gelaufen ist. Die Antwort haben sie bekommen: Der dumme Zuschauer hat natürlich mal wieder versagt! Oder, wie es aus dem Munde eines echten Unternehmenssprechers lautet:
“Das war eine geplante redaktionelle Entscheidung. Schon häufiger wurden bei ‘Popstars’ Teile einer Entscheidung erst in der nachfolgenden Sendung aufgelöst.”
Das ist schon ein ziemlich deutlicher Punch in the face. Das ist aber ein ganz anderes Problem. Fernsehen wird fast nur noch von Leuten gemacht, die den Zuschauer dafür hassen, das er macht was er will. Das ist meistens auf Seiten der Sender noch schlimmer als auf Seiten der Produktionsfirmen, wobei es da auch ein paar gibt, denen die Zuschauer Wurst sind und die einfach nur schnell mit dem Sender absahnen wollen. Und da hat sich der Zuschauer gefälligst so zu verhalten, wie die das gerne wollen. Das ist nun gestern Abend in die Hose gegangen. Aber seiner wir ehrlich: Es wird überhaupt keine Auswirkung auf irgendwas haben. Nächstes Jahr wird irgendwann eine neue Popstars-Staffel kommen, mit einem noch gelangweilteren D!, noch mehr Werbecastings um noch mehr Marken in der Sendung unterbringen zu können und noch schlechtere Kandidaten um dem Zuschauer noch klarer zu machen, wie wenig er für die Macher wert ist. Aber trotzdem:
Dieser eine Moment gestern Abend, in dem die Zuschauer den Machern den Fuck-Finger gezeigt haben, den werde ich immer in sehr guter Erinnerung behalten. Für mich schon jetzt einer der Popstars-Magic-Moments. Und vermutlich auch der letzte, denn ich kann das zu Schrott gewordene Ex-Gold nicht mehr gucken.
Übrigens: Normalerweise kann man um die Zeit ja auf der Pro7-Seite schon immer die komplette Folge vom Vorabend gucken. Komisch das das heute nur Ausschnittweise geht…:)
Erinnert sich noch jemand an meine schonungslose Aufklärungsarbeit um den wundervollen Song “Ooh Child” und dessen frevelhfate Coverversionen? Damals hiess die reisserische Überschrift “Ein Song als Opfer”, beim heutigen Lied aber heisst es “Ein Song als Sieger”. Warum dies?
Nun, ein guter Song zeichnet sich durch viele verschiedene Aspekte aus. Einer aber wird häufig vernachlässigt, ist aber mindestens so wichtig wie alles andere, wenn nicht vielleicht sogar der allerbeste Gratmesser, wenn es darum geht die Qualität eines Songs einzuordnen.
Der Song um den es diesmal gehen soll heisst “Wichita Lineman” und war der grosse Durchbruch des Country-Sägers Glen Campbell. Ich bin mir nicht sicher ob hierzulande jemand den Sänger, geschweige denn den Song kennt. Deswegen hier erstmal das Original, den Smashhit:
So weit, so gut. Eine verträumte Nummer über einen Telegrafenmastleitungenausbesserer. Ist ja vermutlich auch der romantischste Beruf, den man sich so vorstelllen kann. Gut, Ironie beiseite: Das Bild funktioniert ganz gut. Dieses tägliche hochklettern, der Duft der Freiheit um die Nase und dann aber auch noch auf den Leitungen mithören können. Das ist tatsächlich ein romantisches Bild. Der Song wurde damals von Jimmy Webb für Campbell geschrieben und das allerbeste ist: Webb tritt auch heute moch auf und erzählt gerne das ein oder andere Anekdötchen. Und dann sitzt da einer im Publikum, filmt das mit, lädt es bei YouTube hoch und wir können uns das alle ansehen um die perfekte Hintergrundinfo zu dem Song aus erster Hand zu bekommen. Ein grün angesprühtes Piano spielt dabei eine Rolle, welche weiss ich selbst noch nicht so genau:
Nun hat man schon beim ersten hören dieses Songs ein Gefühl, das einen irritiert. Man denkt nämlich das Lied hat, relativ ungewöhnlich für einen Countrysong, so etwas wie “Seele” oder anders gesagt “Soul”. Das kann man sehr schön klassisch hören, sexy gespielt, ein bischen Drama in der Stimme und nochmal schöne Bläsersätze geschrieben: Zack, fertig ist der Wichita Lineman zum fummeln.
Das war aber nur Willie Hutchs Soulinterpretation des Kabelreparierers. Selbst innerhalb des Kosmos Soul kann man das auch noch anders auslegen. Man kann das Tempo etwas anheben und dadurch das Drama noch eine Spur erhöhen. Wenn ich auch zugeben muss, das das Stimmchen doch etwas dünn ist. Dafür wird das Stück immer tanzbarer und entfernt sich immer mehr vom Original. Was aber gar nix ausmacht. Vielleicht im direkten Vergleich nochmal das Original oben hören und sich wundern, was sich da rausholen lässt:
Fünfköpfige Soulgruppen haben immer so ein gewisses Flair. Ein Flair des Choralen, meinetwegen auch funky Choral. So wie die Temptations zum Beispiel. Im Gegensatz zu denen haben aber die Dells den Wichita Lineman gecovert. Mit ganz wunderbaren “Babababababababa”-Adlibs in der Hook. Und einem Sänger mit einem so dermassen coolen, heiseren Schmelz in der Stimme, das ich schon genau weiss wie die Ladys damals geschmolzen sind. Also ich kanns mir zumindest vorstellen. Ich fand ja Mädels, die so eine leicht rauhe Stimme haben auch immer supersexy, warum sollte das bei denen anders sein? Rod Stewart ist ja ein gutes Beispiel, das dezente Heiserkeit im Gesang sogar über überlebensgrosse Warzen hinwegsehen lässt.
Ein Lied, das so oft gecovert wird, über Genregrenzen hinweg, das muss schon ein ziemlicher Hit sein, und ein ziemlicher Hit bedeutet natürlich auch immer was? Ziemlichen Konsens. Und wer stürzt sich auf Konsens? Richtig, Crooner. Die haben ja alles gesungen, von dem sie sicher sein konnten, das es irgendwer mag. Ein Paar waren dabei so cool, da sie das mit einer gewissen Selbstironie taten (Dean Martin), einige haben sich da etwas zu ernst genommen (Sinatra) und andere waren irgendwie nie so richtig Bewohner unseres Planeten. Zu letzteren zählte sicher auch Sammy Davis Jr., der immer gerne das machte, was ihm gerade in den Kram passte. Und dazu zählte eben auch, mal ein Countrylied zu croonen. Gut, es ist nicht wirklich gecroont. Es ist sogar ziemlich hochgejazzt, ohne dabei jazzig zu sein. Es ist geuptempoter Soul, der eigentlich schon fast Disco ist. Aber dafür etwas zu Old-School-Funky. Die Orgel, Alter, die Orgel! Hammerversion! Man spürt förmlich Sammy Davis Schweiss von der Bühne auf einen spritzen.
Wenden wir uns den etwas skurileren Coverversionen zu, denn im Soul scheinen wir schon jede erdenkliche Form abgehandelt zu haben (die Downtempo-Reggae-Version habe ich jetzt euch und mir mal erspart, die ist nicht wirklich spannend. Stellt euch das Lied einfach noch langsamer vor, dann habt ihr eine ungefähre Vorstellung).
Mediensatire ist ja immer so eine Sache. Meistens geht das etwas daneben, wenn man dem Medium, in dem man mit seiner Satire ja schliesslich doch auch stattfinden möchte, nicht allzu sehr auf den Schlips treten will. Heraus kommt meistens etwas unfertiges, ungares, mit dem dann eigentlich niemand so richtig etwas anfangen kann. Ob es sich bei dem folgenden auch darum handelt, weiss ich gar nicht so genau, ich bin auch gerade zu faul nachzusehen, aber ich habe den schweren Eindruck, das ich ganz richtig liege. Mit diesem gefaketen Zapping und der Ansage, das jetzt ein Sänger für die Kinder kommt und dann da ein komisches Monster steht, mit einer Maske die selbst GWAR zu peinlich gewesen wäre, das alles atmet die Luft einer frechen Abrechnung mit dem Fernsehen. Allerdings ist diese Version des Webb-Songs zu merkwürdig, um sie nicht hier zu zeigen. Ich gucke da fasziniert hin: Alles sieht irgendwie scheisse aus, hört sich auch scheisse an, aber der Song kriegt einen trotzdem.
Ein Phänomen das ich nie so recht verstanden habe, ist dieser Neo-Sixties-Sound. Warum sollte es cool sein zu versuchen, heute die Musik der 60er nachzuempfinden? Damit meine ich nicht so einen wirklich schmerzhaften Frevel wie den einer Amy Whinehouse, die einfach nur ein grossartiges Instrumental nimmt (Ain´t no mountain high enough) und durch eine neue, selbst schlecht ausgedachte Gesangesmelodie verhunzt, ich meine eher so nachempfundene Sachen wie zum Beispiel “Hip Teens…” von Frank Popp. Ich steh da irgendwie nicht so richtig drauf, weiss auch nicht warum. Vielleicht weil ich finde, das die Musik von damals so reichhaltig ist, das es da noch ohne Ende Acts und Songs zu entdecken gibt, die ich noch gar nicht kenne und deswegen keinen Aufguss brauche. Ich weiss es doch auch nicht. Eine Band, die das aber anscheinend auch gerne macht und von der ich noch nie etwas gehört habe ist/war Optiganally Yours, die ganz offensichtlich auch in Japan getourt sind und auf der Bühne etwas machen. Fragt mich nicht was, ich habe es nicht so ganz kapiert. Aber schon allein weil die mitten in den Song einen Breakdance-Battle einfügen (übrigens ohne jegliches tänzerische Talent) und als Basis für ihr Lineman-Cover einen simplen HipHop-Beat nehmen, sollte man das mal gesehen haben:
In den letzten Jahren war es plötzlich total Hip und angesagt, Chöre zu gründen. Und Popsongs zu singen. Das war meistens sehr charmant und hatte so eine gewisse ironische Note, aber so schnell wie dieser Trend erschienen ist, ist er auch wieder verschwunden. Was vielleicht ganz gut war, denn so ein Konzept hält sich irgendwie nicht wirklich auf Dauer. Glaube ich. Da gab es doch diesen belgischen Schulchor, oder? Naja, keine Ahnung. Ich mag aber auch die Ausstrahlung klassischer Chöre. Man erwartet immer das die jetzt so Blues-Brothers-mässig durch die Halle turnen. Aber ich bitte euch: Doch nicht beim Wichita Lineman!
Hab ich eigentlich schonmal erwähnt, das ich gerne eine Lap Guitar hätte? Nein? Ich hätte gerne eine Lap Guitar. Ich weiss auch nicht warum, vermutlich würde und werde ich sie auch nicht spielen können, aber ich finde das so ein stylisches Instrument. Wenn ich die irgendwo sehe, dann kriege ich immer direkt Bock, die auch mal zu spielen. Vielleicht würde es schon reichen, wenn ich die irgendwo mal ausprobieren täte, aber selbst das schein nciht ganz so einfach zu sein. Hierzulande sind die Teile dann doch etwas spezieller. Mir fällt ja auch auf Anhieb kein Spezialgeschäft für Kuhglocken oder Alphörner ein. Um an dieser Stelle mal ein ziemlich weit hergeholtes Beispiel zu bringen. Komischerweise scheinen Lapguitars auch superuncool zu sein und nur noch von alten Säcken gespielt werden zu können. So sieht es zumindest aus. Womit ich nicht sagen will, das der Mann in dem folgenden Video ein alter Sack sei. Er ist halt ein alter Mann, mit einer gewissen Sackform. Geht das so? ;)
Wo wir schonmal bei Instrumentals sind, können wir ja auch gleich noch etwas jazziger werden. Jazztrios. Oh du Hort seltenen Spasses. So wird man auch im folgenden Video nur schwerlich jemanden lachen sehen. Aber das Leben eines Lineman ist nunmal auch kein Spass, vor allem nicht bei so einem melancholischen Song. Da ist höchste Konzentration gefragt. Man sieht förmlich, wie der Gitarist die Strommäste erklimmt und von oben in den Sonnsnuntergang über der Wüste Arizonas blickt. Vermutlich kommt er eigentlich aus Osnabrück und ist Sozialversicherungsfachangestellter. Da seht ihr mal wieder, was im Jazz alles möglich ist!
Nun, wir hatten Jazz, einen Chor, die Bandbreite des Soul, ein paar andere Countryhanseln haben das auch noch gecovert, was fehlt denn da eigentlich noch? Wie wäre es mit Rock oder Indierock oder Alternative oder wie immer man das, wofür die Band steht, auch immer nennen möchte. Das kommt ja auch auf den Standpunkt des Betrachters an. Für Pur-Hörer sind das sicherlich die Alternative-Typen vor dem Herrn, für Sonic Youth-Fans sind die wohl eher sowas wie Bon Jovi. Wie man es auch dreht und wendet: R.E.M. sind mir 10000mal lieber als U2. Und ausserdem haben sie was gemacht? Richtig! Den Lineman gecovert:
So weit ein kleiner musikalischer Überblick über die wirklich weite Reise, die der Wichita Lineman schon gemacht hat. Ich finde es gibt selten Songs, die so vielfältig und unterschiedlich gecovert wurden, wie dieses kleine Liedchen. Klar, es gibt Songs die öfter nachgespielt wurden (”Yesterday” anybody?), aber das waren Songs, die nie viel Spielraum für Interpretationen liessen. Das ist hier anders. Jetzt habe ich die Nummer aber schon zigmal in zig verschiedenen Versionen gehört, damit soll es erstmal gut sein. Etwas sollte man aber nicht machen: Glen Campbell mit Kenny Rogers verwechseln. Ich bitte euch, das ist nun wirklich ein Unterschied wie Tag und Nacht. Für Exil-Schotten aber anscheinend nicht.
Bleibt mir als Fazit nur noch eins: Ich habe ja zu Beginn schon mit der Beweisführung angefangen und gesagt, das es ein wichtiges Merkmal gibt für die Qualität von Songs. Bei Ooh Child war der Beweis, das auch schlechte Versionen einen guten Song nicht schlechter machen. Beim Wichita Lineman ist es anders:
Ein guter Song bleibt, wieauchimmer gecovert, immernoch ein guter Song.
Es darf wieder gezockt werden. Ich habe mir selbst zum Geburtstag zwei DS-Spiele geschenkt. Das eine war das erste “Professor Layton“, das ein wirklich rundum gelungenes und hervorragendes Spiel ist, das ich als Blindkauf absolut empfeheln kann. Bei dem anderen Spiel, um das es hier gehen soll, sieht das mit der Empfehlung schon ganz anders aus….
Ich habe in diversen Magazinen über das Spiel “Scribblenauts” gelesen und alle waren voll des Lobes. In dem Spiel geht es darum, das man eine Figur namens “Max” steuert. In jedem Level muss man einen Stern aufsammeln, um es abzuschliessen, den sogenannten “Starite“. Nun macht man das aber nicht, indem man von A nach B läuft, vielleicht noch Wesen C plattmacht und dann den Schatz aufsammelt, “Scribblenauts” verlangt vom Spieler Kreativität im lösen der gestellten Aufgabe. Man kann mit einem Druck auf einen Button auf dem Tochdisplay eine kleine Tastatur öffnen. Und da gibt man dann Begriffe ein, die danach sofort auf dem Bildschirm erscheinen. Man möchte zum Beispiel einen Baum fällen, dann tippt man “Säge” ein, die erscheint sofort, man drückt sie Max in die Hand, führt ihn zum Baum und er beginnt dann den Baum umzusägen. So weit die Theorie. Solange es um recht einfache Aufgaben wie diese geht, geht einem das auch leicht von der Hand. Später warten aber weitaus komplexere Aufgaben auf einen. Zum Beispiel den Ritter wieder mit der Prinzessin zu vereinen, dabei an dem Werwolf vorbeikommen und an der Hexe, ohne selbige dabei zu verletzen. Das erfordert schon einiges an Planung. Und natürlich an Ausprobieren. Trial and Error.
Nun stand überall, das man eine unglaubliche Freiheit hätte, in diesem Spiel. Das die Begriffsbibliothek über 22.000 Begriffe kennen würde, das damit so ziemlich das meiste Herbeischreibbar sei, was man sich auch vorstellen würde. Und die Reviews überschlugen sich vor Respekt gegenüber dem Spiel und der Leistung es programmiert zu haben. Nun müssen diese Menschen alle das englische Original gespielt haben, denn in der deutschen Übersetzung spüre ich relativ wenig von dieser Freiheit. Ein Beispiel:
Ich schreibe das Wort “Leiter”, weil ich irgendwo hochklettern muss. Als Angebot bekomme ich:
Leiter (Holz)
Leiter (Mensch)
Aus Neugierde wähle ich die menschliche Leiter und bekomme was? Na? Kommt ihr drauf?
Einen Indianerhäuptling!
Nehmen wir mal an ich wäre in einer Situation, in der ich wirklich einen Indianerhäuptling bräuchte, wie sollte ich darauf kommen ihn mit dem Begriff “Leiter” herbeizuschreiben? Was ist das für eine Übersetzung? Wurde die mal eben mit Google gemacht?
Anderes Beispiel: Ich habe irgendwo den äusserst charmanten Gag gelesen, das man, wenn man in der englischen Version “Virgin” eingibt, einen kleinen Jungen im Nintendo T-Shirt erscheinen lässt. Gibt man aber nun “Jungfrau” ein kommt nichts. Englische Begriffe kann man eh nicht eingeben. Also werde ich noch lange nach diesem Gag suchen müssen.
Und noch ein Beispiel: Der Boden ist hart, aber ich möchte mich durchgraben. Wir weiche ich den Boden auf? Durch Zufall (weil ich einfach mal immer nur einen Buchstaben eingegeben habe und dann guckte, was er mir anbietet) bin ich drauf gestossen: Ich nehme einen “Erdlockerungsstab“.
So könnte ich noch ewig weitermachen. Bizarre Begriffe, auf die ein normal deutsch sprechender Mensch (und ich schätze mich als jemand mit einem überdurchschnittlichen Wortschatz ein) niemals im Leben kommen könnte. Das nervt Big Time.
Ein anderes Problem: Wenn ich meine Figur bewegen möchte, dann muss ich auf dem Screen dorthin tippen und sie läuft sofort los. Sollte auf dem Weg eine Mauer oder eine Wnd oder ähnliches sein, so läuft sie einfach die ganze Zeit dagegen. Bis das Hindernis weg ist oder ich ein anderes Ziel für die Figur antippe. Da ich aber auch die herbeigeschriebenen Gegenstände mit dem Touchpen hin und her dirigiere, kommt es öfter als man möchte vor, das die Figur das für eine Richtungsweisung hält und frohen Mutes in ihr Verderben läuft. Lava, Feuer, was auch immer. Hier wäre es vielleicht gut gewesen, wenn man die Abfrage etwas differenziert hätte. Zum Beispiel Figur steuern nur mit Digi-Kreuz, oder so. Aber hinterher ist man ja immer schlauer.
Noch etwas, was mir wirklich, wirklich sauer aufstösst: Ich spiele nun seit mehreren Jahren DS, manche Perle war dabei aber auch viel Schrott. Aber was sie alle gemeinsam hatten: Sie mussten, egal wie scheisse sie auch als Spiel gewesen sein mögen, hohe Qualitätsstandards erfüllen, was die Laufsicherheit betrifft. Sprich: Mir ist noch nie ein Spiel abgestürzt. Das sollte ja auch selbstverständlich sein. Bei Spielen die man nicht patchen/updaten kann, noch umso mehr. Nun ratet mal was mir mit diesem Vorzeigeprodukt permanent passiert? Richtig. Ich habe noch nie ein Spiel gespielt, auf dem DS, das so dermassen buggy ist wie “Scribblenauts“. Manche Level kann ich nicht lösen, weil sie an der immergleichen Stelle abstürzen. Bei einem anderen Level falle ich durch den Boden bin plötzlich unsichtbar, lande beim nächsten Schritt 5 Meter hinter mir, erscheine wieder und bin sofort tot. Ja, das ist genau so bizarr, wie es sich gerade anhört.
Ich muss sagen: Mir gefällt die Präsentation des Spiels, die Idee finde ich auch grossartig. Aber was ich da im Laden gekauft habe ist ein dermassen schlampig produziertes Stück Software, das ich tunlichst vom Kauf abraten muss. Vielleicht wenn man es mal gebraucht für nen 10er kriegt, okay, dann kann man den Versuch wagen. Aber ich habe mich bislang mehr übder das Spiel geärgert, als das ich einige der seltenen Aha-Momente hatte.
Übrigens: Die Motivation alles neu und anders zu lösen geht auch schnell flöten, wenn man die 3,4 Gegenstände kennt, mit denen man fast jedes Level meistern kann. Vielleicht sollten manche Dinge auch nicht so oft eingesezt werden können oder so, ich weiss es nicht. Ich weiss nur:
Klassischer Fehlkauf. Bitte Finger weg. Und stattdessen “Layton” holen. Das hält, was es verspricht. Das neue bestimmt auch. Und bei Warner bitte mal fähige Übersetzer anstellen, statt alles von Google machen zu lassen. Dann hat man vielleicht auch hierzulande Spass an einem solchen Spiel. Vielleicht.
Der erste Tag, die ersten dreissig Kilometer. Ich war nicht schlecht, wirklich nicht. Ich habe extrem lange mitgehalten. Aber so ganz langsam (und ohne das ich es wirklich zuzugeben im Stande gewesen wäre) leuchtete mir doch ein, warum die so einen Wert auf dieses “Wanderschuhe”-Thema gelegt haben. Die wurden nämlich langsam ziemlich ungemütlich. Echt jetzt mal. Zähneknirschend nahm ich das hin, aber fiel immer weiter zurück. Auch das Lockenmädchen setzte sich jetzt von mir ab, ich war einfach zu langsam. Und verlor immer mehr Geschwindigkeit. Und noch langsamer. Und noch langsamer. Und…noch….laaaa…..ngs….aaaa….m…eeee..rrr….
Damit kommen wir zu dem Teil, an dem ich meinen tiefsten und herzlichsten Dank an den Hochleistungssport aussprechen muss. Und zwar nicht weil er mich in meiner prekären Situation zu Höchstleistungen getrieben hätte, iwo, wo denkt ihr hin? Aktiver Sport und ich, wir waren tatsächlich immer wie so zwei Gangs aus der Stadt die sich respektieren und ein Wafenstillstandabkommen geschlossen haben, aber wehe einer würde sich mal alleine in das Viertel der anderen wagen: Wenn er das tut, dann geht das selten gut aus. Mein Dank an den Hochleistungssport gehet eher über 3 Banden. Also: Die am Rande eines Spielfelds, nicht die Gangs.
Die Kommilitonin des Lockenmädchens hat früher nämlich ziemlich ausgiebig Hochleistungssport betrieben. Ich weiss zwar nicht genau welchen, aber irgendeiner bei dem man körperlich zumindest ne Menge zu tun hat. Und das kann, wenn man es zu exzessiv macht, eben schon in jungen Jahren gerne mal auf die Knochen gehen. Welch Ironie des Schicksals: Da ist das (ehemals) ultrasportliche Mädchen, das auch brav seine eigenen, neuen Wanderschuhe selbst eingelaufen hat, an den unsportlichen Fremdschuhwanderer mehr oder weniger gebunden. Denn wir hatten beide dasselbe Tempo, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.
Das klingt jetzt nach Zweckgemeinschaft, das hört sich an nach unüberwindbaren Differenzen und extremst unterschiedlichen Interessenslagen. Und genau so war es auch…NICHT! Dieses Mädchen war so unglaublich lustig, beseelt von einem wundervollen, bösen (aber nicht verletzenden) Humor. Ich hatte meine Wegbegleiterin gefunden. Wir teilten uns meinen Wanderstab, wenn es bergauf ging hielt ich ihr den Stock hin und zog sie hoch. Und immerwieder mussten wir uns die Bäuche halten vor lachen. Das war einfach alles zu absurd. Auf was hatten wir uns da bitte eingelassen?
Nun war es nicht nur lange her, das wir überhaupt noch jemanden aus unserer Gruppe gesehen hatten, nein, langsam liess auch die Wanderer-Dichte generell nach. Wir folgten zwar immernoch den gelben Pfeilen, aber es war langsam spät und die meisten waren wohl schon in ihren Herbergen eingechekt. Und da sahen wir es am Ende der Strasse: Unser Hotel. Wir hatten uns auf dem Weg noch in einem kleinen Laden ultrahässliche 80er-Jahre Stirnbänder im Partnerlook geholt, die da nicht verkauft wurden, weil sie so hip waren, sondern weil sie immernoch da rum lagen. Haben, glaub ich, einen Euro oder so gekostet. Also: Ich, mit Bart, Stirnband das die langen Haare vom Kopf weghält, Rucksack auf dem Rücken unter dem die quer zwischengestopfte Regenjacke rausguckt und ein erschöpftes Mädchen im Sportdress, ebenfalls mit dem gleichen türkis-pinken Kopfschmuck. Mit der Verve zweier Menschen die 27 Beckenoperationen hinter sich haben müssen nahmen wir die 3-stufige Treppe ins Hotel. Wir hörten die anderen auch schon. Sie waren im grossen Speisesaal.
Mit der letzten Kraft schmissen wir uns durch die Schwingtür und traten mit einem lauten “Wir sind da!” ein. Ein kurzer Moment der Irritation. Mehrere Augen guckten uns an, als wenn sie einen Geist gesehen hätten. Und dann: Nicht enden wollender Applaus. Ich weiß nicht ob wir schon abgeschrieben wurden, ob schon Hubschrauber nach uns geschickt wurden, aber offensichtlich hat niemand mehr ernsthaft mit uns gerechnet. Was vielleicht auch erklärt, das alle schon ihr Abendessen hatten, wir haben dann aber extra welches serviert bekommen und wurden mit Fragen gelöchert. Wir assen und dann ging erstmal jeder auf sein Zimmer.
Liebe Zartbesaitete: Jetzt wird es ein wenig ekelig. Denn ich zog meine Schuhe aus. Und die dicken Wollsocken. Und die dünneren Socken darunter auch. Und dann kam ich an die letzte Sockenschicht. Da merkte ich dann schnell, das ich die eher langsamer und mit einer gewissen Vorsicht ausziehen musste. Nachdem ich mich also aus den Strümpfen gepellt hatte, sah ich das ganze Ausmass: 5-Mark-Stück grosse Hautfetzen hingen mir von der Ferse schlaff runter. Dahinter nässendes, rotes Fussfleisch. Ich dachte, das ich das erstmal säubern sollte und erlebte in dem Moment, als ich die Überreste meiner Füße unter fliessendes Wasser hielt, wirklich unglaubliche, nie erahnte Schmerzen, die mir bedeuteten: Ne, lass das mal lieber mit dem Wasser. Ich legte mich so ins Bett, das meine Füsse unten heraushingen und ich einigermassen schlafen konnte. Dann fiel ich ins Lummerland.
- Tag 2
Am nächsten Morgen waren, zu meiner Verwunderung, meine Füße noch nicht verheilt (ich bin ja kein Mediziner, ich gehe immer vom besten Heiliungsprozess aus). Nun waren, zum Glück, in unserem “Betreuerteam” auch Arztgattinnen zugegen. Denen konnte ich meine Füsse zeigen, was sie zu spontanen Begeisterungsstürmen hinriss, das sie so etwas noch nie gesehen hätten, etc. Die Damen waren natürlich auch bestens ausgestattet und verarzteten mich erstmal mit Sprühpflastern, was mir tatsächlich angenehme Linderung bescherte und ich konnte erstmal in Ruhe frühstücken. Nun war mein Schicksal der Gruppe natürlich nicht verborgen geblieben und in einem Akt totaler Selbstlosigkeit (für den ich ihm heute immernoch, vielleicht sogar noch mehr als damals aus tiefstem Herzen dankbar bin), lieh mir ein Kommilitone seine Reef-Sandalen für den Rest der Reise. Das waren keine Flip Flops, sondern so richtige Sandalen eben. Die sahen jetzt auch in Socken nicht wahnsinnig sexy aus, aber ich merkte auch bald: Diesen Weg wird man ohne sexyness bestreiten müssen. Hier will sich einer gegen mich stellen, da muss ich eventuelle Fusskleidvorlieben des anderen Geschlechts beiseite lassen. Denn das geile an den wirklich saugemütlichen Sandalen war ja: Die waren an der Hacke quasi frei.
Okay! Ich war wieder im Rennen! Also, zumindest wieder im Spiel, denn trotz aller High-Tech-Pflaster und Luft-Fuss-Schuhwerke konnte ich natürlich immernoch nicht schneller gehen. Das verhinderten auch die vielfältigen Blasen an meiner Fusssohle, die dort offensichtlich einer Werkschau über die Mannigfaltigkeit des Auftretens von Blasen an Füssen veranstalteten. Beim Start hab ich mitgehalten, aber ich fiel schon schnell zurück. Das Lockenmädchen ist pflichtbewusst und solidarisch eine Zeitlang in meinem Tempo mit gelaufen, aber irgendwann hat auch sie, verständlicherweise, meine Entdeckung der Langsamkeit nicht mehr aushalten können. Und damit zurück zu den absoluten Vorzügen des Hochleistungssports…:)
Okay. Das war der Deal: Man muss nur einen Hunni zahlen, dann ist man dabei. Ausserordentlich fair. Gut, ein bischen schade war es schon, das die Jahrgänge zuvor für das gleiche Geld nach Kuba oder so gefahren sind, aber egal. Das hier klang ja auch nach Abenteuer, vor allem weil man noch nie so richtig was davon gehört hat. Denn die Reise war 1 oder 2 Jahre VOR Kerkelings Bestseller. Der Jakobsweg war also eher etwas abstraktes. Oder besser gesagt: Ich hatte davon schon gehört, aber wirklich wissen um was es dabei geht, tat ich nicht.
Nachdem ich den Hustle mit der Kohle dank der grossartigen Assistentin der Professorin dann auch geklärt hatte, stand meinem Ausflug also nichts mehr im Wege. Wir haben vorher haufenweise Blätter bekommen, auf denen relativ genau stand, was wir zu erwarten hätten und wie wir am besten ausgerüstet sein sollten. Natürlich sollte auch jeder seine Kamera mitnehmen, schliesslich handelte es sich hier um eine Filmstudentenexkursion. Alles andere wäre ja ziemlich bescheuert. Ausserdem stand in dem Brief auch noch ein ziemlich langer Absatz über das richtige Schuhwerk und seine Notwendigkeit. Also gute Wanderschuhe, die man am besten noch 2 Wichen lang vor Abreise gut einläuft. Nun, zum ersten war meine Kohle zu der Zeit ziemlich knapp bemessen, zum zweiten fand ich nichts uncooler als Outdoor-Bekleidungsgeschäfte und Outdoor-Bekleidung und zum glücklichen dritten hatte mein Mitbewohner noch Wanderschuhe, die er selber schon eingelaufen hatte und die aber mehr als okay aussahen. Das wäre also schonmal gebongt.
Neben dem Grossteil meiner Kommilitonen, die mit auf die Reise kamen, und die ich schon kannte, kamen auch einige aus höheren Jahrgängen mit, die ich zwar schonmal kurz gesprochen hatte, auf der Erstsemesterparty oder in der Cafeteria, aber wirklich kennen tat ich von denen eigentlich niemanden. Nun gut. Es würde spannend werden. Einen kleinen Luxusvorteil hatte unsere Reise allemal: Das Gepäck würde morgens von Hotel zu Hotel gefahren. Und ja: Wir hatten Hotels. Die Gefahr einer unangenehmen Pilgerherbergsnacht war also ausgeschlossen. Sozusagen royales Pilgern. Klang gut. Den ganzen Tag ein bischen rumlaufen, Abends drüber quatschen, mondän essen und nach einer gemütlichen Nacht noch ein bischen latschen, das schien doch durchaus gemütlich zu werden.
Und so stand ich eines Morgens am Gate des Münchener Flughafens vor einer Maschine in Richtung Madrid. Ich glaube den anderen anwesenden Passagieren kam es in der Tat etwas, nunja (ich werde diesen schlechten Wortwitz nun das einzige Mal in dieser Geschichte bringen, ich verspreche es….aber wenn er doch gerade so gut passt!), “spanisch” vor, das da so viele junge Erwachsene mit Videokameras bewaffnet rumsprangen, aber wir waren ja dennoch alle äusserst harmlos, um nicht zu sagen supernerdig. Also das absolute Maximum an Harmlosigkeit.
Nach einem kurzen Flug waren wir dann in Madrid angekommen, schnappten unser, fast nur aus Trekking-Rucksäcken bestehendes Gepäck und wurden in einen Bus geworfen, der uns zu irgendeinem Dorf fahren sollte, das der Ausgangspunkt unserer Pilgerreise werden sollte. Gute 150 Kilometer vom Ziel, Santiago de Compostela, entfernt. Hm. 5 Tage für 150 km? Da hat man vorher noch gar nicht so richtig drüber nachgedacht. 30 Kilometer am Tag. 30.000 Meter am Tag. Jetzt kam ich doch ins grübeln, aber in einem Bus der mit 150 Sachen über eine spanische Autobahn rast, war das wohl ein relativ spät gewählter Zeitpunkt für Zweifel, weswegen ich die auch alle beiseite schob und gespannt war, was mich erwarten würde. Ich meine: Hey, ich war immer gut zu Fuss, wie schwer könnte das hier werden?
An einer Ratsstätte wurde erstmal leckerer Serano gegessen, freudig die niedrigen Zigarettenpreise registriert und unsere Professorin, die selber einige Zeit in Spanien gelebt hat, erklärte anhand einer live ausgestrahlten Fernsehsendung, die man in dieser Raststätte beobachten konnte, das exakte Reglement und den Ablauf eines Stierkampfes. Jetzt hatte ich das zum ersten Mal verstanden und begriffen. Wow. Ich war zutiefst beeindruckt. Wie toll, eine Sportart die darauf basiert, alles möglichst ehrenhaft und würdevoll zu machen (und das Tier wenn man es denn tötet, so schnell wie möglich zu töten). Das hat mich fasziniert. Ich hatte also schon was gelernt, bevor wir überhaupt am Start angekommen waren? Das fing an mir zu gefallen!
Später erreichten wir dann unser Ziel. An das Hotel kann ich mich nicht mehr wirklich erinnern. Ich weiss nur noch das es ein sehr süss verwinkeltes, dennoch recht unspektakläres (oder sagen wir lieber “unprätentiöses”) Hotel war. Und eine nette Bekanntschaft hatte ich auch schon gemacht. Das Mädchen mit den vielen Locken, yeah, die war toll. Ich war im Urlaub, ich war sowas von Flirtbereit und wer weiss: Vielleicht hielt der Weg vom ollen Köbes ja noch das ein oder andere Abenteuer amuröser Natur für mich bereit? Schliesslich soll man sich nirgendwo besser verlieben können, als in der spanischen Natur. Hab ich mal gehört. Oder mir eingebildet. Man weiss ja, wie man so weit weg von zu Hause so ist. Das Wetter war auch scheisse, es würde also Sinn machen jemanden zu finden mit dem man Abends gemeinsam schön kuscheln….
Während mein Herz also schon Pläne schmiedete, hatte ich das Gefühl als wenn meine Füße schon eine gewisse Vorahnung hatten. Die zwickten so komisch. Egal. Licht aus, schlafen.
- Tag 1:
Das Gepäck abgegeben, die Wanderschuhe fest geschnürt, den kleinen Rucksack mit dem nötigsten (Brötchen vom Frühstücksbuffet, Kamera, leere Tapes für die Kamera, Ersatzakku für die Kamera, Ladegerät für die Kamera, was zu trinken, Kohle, Adressunterlagen für das nächste Hotel) auf dem Rücken und schon konnte es losgehen. Naja, noch nicht ganz. Wir gingen alle zusammen zum Pilgeramt, wo jeder seinen Pilgerausweis erstellt bekam. Den sollte man also an jeder Station abstempeln, damit man beweisen kann, den Weg gepilgert zu sein. Macht sinn und auch irgendwie cool, so ein Pass. Wie bei einer Schnitzeljagd (Ich hab mal auf Hawaii einen in eine Ananasplantage gehauenen Irrgarten besucht, da bekam man auch einen Pass und musste den an so verteilten Stationen in dem Labyrinth abstempeln und dann wurde die Zeit gestoppt, wie lange man gebraucht hat…das war cool!), genau mein Style. Nach einer kurzen Ansprache der Professorin (mit den Key phrases “Erlebt den Weg!”, “Hetzt euch nicht!”, “Immer den gelben Pfeilen nach.” und “Habt ihr auch eure Wanderschuhe eingelaufen?” (Mein Gott, die nehmen das aber genau mit dem einlaufen…)) ging es dann irgendwie los. Ja. Irgendwie. Alle gingen erstmal allen hinterher. Es blieb eine grosse Gruppe. Aus der Stadt raus, quer über kleine Bäche, durch lange Felder und vorbei an Bauernhofruinen. Mal kam ein Traktor, mal ein Bus voller Rentner (die dann ihre täglichen 150 Meter gehen konnten). Alles war noch neu und frisch und aufregend. Man entdeckte eine kleine, unprätentiöse Kapelle am Wegesrand, in der die ganzen Pilger sich verewigt hatten, mit kleinen Zetteln, wenn ich mich recht entsinne. Es kann aber auch sein, das sie einfach mit Edding aufs Gebälk geschrieben haben. Bitte nagelt mich da nicht fest. Es wurde munter drauf los gefilmt, fast jeder Wanderer hielt die Kamera vor sein eigenes Gesicht und schilderte seine Eindrücke (könnte man Filmstudenten vielleicht Alternativmögichkeiten noch in der ersten Woche des Studiums aufzeigen, sich selbst zu filmen? Uns ist da wirklich nichts anderes eingefallen. Doch, ein Paar stellten die Kamera an den Wegesrand und setzten sich davor, oder so…), was vor allem für Aussenstehende sehr lustig ausgesehen haben muss, als wir noch alle sehr stark gruppiert auftraten.
Es ist verwunderlich, wie schnell man auf die gelben Pfeile fixiert ist und überall nach ihnen guckt, sie schnell im Augenwinkel wahrnimmt und ihnen stur folgt, bis der nächste auftaucht und die weitere Marschrichtung angibt. Das System funktioniert wirklich einwandfrei, eine Art Analog-Navi. Und so wanderten wir. Immer den geben Pfeilen nach. Auch wenn es quer über eine Bundesstrasse oder gefühlte Autobahn ging. Hier war man Menschen zu Fuss wohl gewohnt. Die Gruppe fiel langsam weiter auseinander. Und ich hatte so langsam das unsichere Gefühl, das es mal Zeit würde für meine Blasenpflaster. Naja. Das war wohl zu erwarten. No pain, no game. Da ich mich aber gerade so gut mit dem Lockenmädchen und einer anscheinend Freundin von ihr deren Humor exakt auf meiner Wellenlänge war - das spürten wir sofort - unterhielt, beschloss ich die erste Hilfe für meine Füße noch ein bischen auszusetzen. Wie uncool käme das bitte am ersten Tag, nach nicht mal einem drittel des Weges schon die Competes auszupacken? Eben. Und als wir drei da so rumwanderten, machte ich nicht nur die erste, sondern auch die allerbeste Investition des gesamten Ausflugs: Ich kaufte mir einen Stock.
To be continued…
Ich habe Geburtstag und weil ich Geburtstag so sehr liebe, habe ich ja schon vor ein paar Jahren angefangen, den einfach auf eine Woche auszudehnen. Weil Geburtstag so ein grossartiges Fest ist. Heute, an meinem Geburtstag geht also meine Geburtstagswoche los (ich habe das übrigens schonmal hier erzählt, finde das aber immerwieder so lustig, das ich es gerne nocheinmal erzähle, erst recht für die neu hinzugekommenden: Als ich so 6 oder so war, da war ich mal mit meiner Schwester, ihrer besten Freunidn und deren kleiner Schwester im Theater in Köln, zu Ehren des Geburtstages der kleinen Schwester der Freundin meiner Schwester. Und da haben meine grosse Schwester und ich mitangehört, wie die Freundin dem Geburtstagskind immer vom “Geburtstagsmann” erzählt hat. “Ja, das ist schön was dir der Geburtstagsmann da gebracht hat, oder?”. So in etwa. Und auch wenn ich schon in jungen Jahren gerne leichtgläubig war und mir die fantastischsten Geschichten auftischen liess: Das war ja nun wirklich mal eine vollkommen bescheuerte Idee. Meine Schwester und ich mussten jedenfalls immer konspirativ kichern, wenn wieder die Rede vom Geburtstagsmann war.). Und damit schenke ich mir doch einfach mal selbst einbischen Musik hier auf dem Weltfrieden. Ohne ausufernde Erklärungen oder Begleittexte. Einfach nur Musik weil sie mir gefällt. Hurra! 33! Auch noch Schnapszahl!
Und all ihr Feedreaderleser müsst jetzt auf die Seite kommne, weil ich an meinem Geburtstag zu faul bin, euch noch Extra-Links drunter zu machen…:)